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Sehenswürdigkeiten in den Neu-Ulmer Stadtteilen

Neben der Neu-Ulmer Innenstadt sind in den Stadtteilen historische Gebäude, Architektur, sowie diverse bedeutsame Kirchen zu besichtigen. Sie möchten Neu-Ulm erleben? Hier finden Sie eine Auswahl der markantesten Punkte - vom Schlössle in Offenhausen über die Kirche St. Mammas in Finningen bis hin zur Siedlung "Ulmer Ried" in Ludwigsfeld.

Offenhausen

Biergarten

Schlössle
Das urkundlich erstmals 1495 erwähnte Schlössle ist eines der ältesten Gebäude Offenhausens. Seine Architektur weist Elemente von der Gotik bis zur Gegenwart auf. Der Patrizier Ehinger von Balzheim erwirbt es im Jahr 1555 und lässt es in seiner heutigen Form mit dem hohen Satteldach und den charakteristischen Erkern standesgemäß als Sommerlandsitz umbauen.

1673 kauft die Reichsstadt Ulm das Anwesen und macht daraus erstmals ein verpachtetes Gasthaus. Seit diesem Zeitpunkt gilt das Schlössle als ein soziales Zentrum Offenhausens. 1690 erhält das Schlössle das Braurecht „mit aller Gerechtigkeit“ und zählt damit bis heute zu den ältesten Privatbrauereien Schwabens. In Verbindung mit der Schlacht von Elchingen hielt sich Napoleon Bonaparte am 14. Oktober 1805 nachweislich kurz im Schlössle auf. Georg Zoller erwirbt 1879 das Traditionsgasthaus, das sich bis zum heutigen Tag im Besitz seiner Nachfahren befindet. Er legt den Biergarten an und pflanzt die heute mächtigen Kastanien.

Pfuhl

Kirche St. Ulrich in Pfuhl
Bild: Roland Furthmair

St. Ulrich
Die frühesten Quellen legen nahe, dass St. Ulrich anfangs Eigenkirche des benachbarten Burghofs ist, auf dem Ministerialen (Ritter) der staufischen Ulmer Königspfalz sitzen.
1394, am Ende des Umbaus der romanischen Kapelle, bei dem Chorturm und Chorraum in ihrer jetzigen Gestalt entstehen, wird das spektakuläre Weltgerichtsfresko über dem Chorbogen gefertigt, die älteste derartige Malerei im Landkreis Neu-Ulm. 1480 wird das Langhaus auf seine heutigen Maße vergrößert. Die 1531 per Ulmer Ratsbeschluss in Pfuhl eingeführte Reformation hat für St. Ulrich die Entfernung der „Götzen“, also des Bilderschmucks, zur Folge. Im Dreißigjährigen Krieg wird das benachbarte Pfarrhaus zerstört und das Gotteshaus schwer beschädigt. Der Barockisierung folgt im 19. Jahrhundert eine weitere Umdekoration. Das derzeitige Erscheinungsbild des Kircheninnern geht zurück auf die Sanierung von 2001 bis 2005, mit der auf sensible Weise ein Dialog von Historie und Moderne geknüpft wird. Die zahlreichen Fresken als die wertvollsten Relikte sind gesichert, einige erneut aus dem Putz hervorgeholt.

Altes Rathaus in Pfuhl und Heimatmuseum

Rathaus / Heimatmuseum
Dieses Gebäude steht für die Herrschaft, die Ulm über Pfuhl über Jahrhunderte ausgeübt hat. Bereits seit dem späten Mittelalter bestimmt die Reichsstadt die weltlichen und geistlichen Belange des Ortes. Ist ihr Statthalter, der Amtmann, bislang in einer kleinen Sölde untergebracht, so kann er 1753 dieses Amtsgebäude beziehen.

Der Amtmann erfüllt Funktionen von Kämmerer, Notar und Forstmeister. Zur Betreuung der in seinem Verwaltungsbezirk liegenden Orte außer Pfuhl (Reutti, Burlafingen und Steinheim)  benötigt er Dienstpferde, die im Stall im Erdgeschoss untergebracht sind. Im oberen Geschoss befinden sich neben der Amtsstube die Wohnräume sowie Kammern für Gäste und fürs Gesinde. 1822 von der mittlerweile selbstständigen Gemeinde erworben, werden zwei Schulräume und das Rathaus eingerichtet. 1960 ziehen die letzten Klassen aus. Nach dem Auszug der Verwaltung 1977 klärt sich erst 1986 die Nutzungsfrage mit der Einrichtung des Heimatmuseums. Die von den „Museumsfreunden Pfuhl“ aufgebaute Sammlung konserviert die Prägung des Ortes, wie sie im Ortsbild immer weniger abzulesen ist.

Kleine Kapelle
Marienkapelle (Bild: Roland Furthmair)

Marienkapelle
1478 erhält Pfuhl neben St. Ulrich eine zweite Kirche. Gewidmet ist sie Maria, der Patronin Ulms. Hierher stammen auch die Stifter der Kirche, die dem wohlhabenden Bürgertum angehören. Die Kirche im spätgotischen Stil liegt zwar außerhalb des Ortes, aber direkt an der Landstraße nach Augsburg. Die Lage begünstigt die rege Wallfahrtsaktivität, die sich um ein wundertätiges Bild entfaltet.

Nach der Einführung des lutherischen Glaubens 1531 wird die Kapelle profanisiert (entweiht), ihr Langhaus durch ein Wohnhaus ersetzt und das gesamte Gebäude zum Armenhaus umgewidmet. Die Funktion erfüllt sie bis 1969, dem Jahr ihres Abrisses. Seit den frühen 1950er Jahren wird darüber kontrovers debattiert. Längst ist aus der „Kappl“ ein „Stein des Anstoßes“ geworden. Unmittelbar an der Kreuzung Kirchstraße gelegen, bildet sie nunmehr eine gefahrenvolle Engstelle. Als die Idee ihrer „Verschiebung“ verworfen und die B 10 vierspurig ausgebaut wird, ist ihr Schicksal besiegelt. Damit verschwindet ein Kleinod, dessen Schönheit allerdings durch den schlechten Bauzustand und den Verlust der Ausstattung gemindert ist. Der Chor wird 1971 maßstabsgetreu nachgebaut, als auf dem nahen Kapellenberg eine Kriegergedächtniskirche entsteht. In das Bauwerk sind der originale Lilienfries sowie Inschriftensteine der Marienkapelle eingefügt.

Burlafingen

Kirche im Dorf

Jakobskirche
Eine „Capella in Burluingen“, 1275 in einer Urkunde erwähnt, ist der früheste Nachweis kirchlichen Lebens in Burlafingen. Erbaut vermutlich vom Kloster Reichenau, ist für sie 1329 erstmals ein Pfarrer bezeugt: Bruder Heinrich von Burlafingen.

1313 wird das Kirchlein, über das baulich wenig bekannt ist, dem Kloster Söflingen einverleibt. Ein Pfarrer führt 1811 Klage über die „finstere, niedere und ungesunde Kirche“, die der Gemeinde nun längst zu klein geworden ist. Ausgelöst durch das Gebetsläuten der Lehrersfrau, stürzt 1819 der Kirchturm ein und beschädigt dabei das Kirchendach. Wenig später fällt der Beschluss zum Neubau von St. Jakobus, womit der Günzburger Landbaumeister Schwesinger beauftragt wird. Der nüchterne Neubau wird im Oktober 1820 geweiht und bis heute genutzt.

Steinheim

Nikolauskirche in Steinheim
Bild: Roland Furthmair

Nikolauskirche
1368 wird ein erstes Gotteshaus schriftlich greifbar - wohl eine Kapelle. Zum Gottesdienstbesuch müssen die Steinheimer aber nach Finningen oder Straß. Kirchliches Leben am Ort entsteht erst 1434, als der Ulmer Patrizier Johann von Herbishofen eine Kaplanei stiftet. Kirchlich seit 1439 dem Karthäuserkloster Buxheim gehörend, lässt dieses um 1470 eine Kirche im spätgotischen Stil erbauen: St. Nikolaus.

Ulm löst 1609 die Buxheimer Patronatsrechte ab. Steinheim ist fortan „protestantische Insel“ inmitten katholischen Gebiets. St. Nikolaus erlebt erst mit Verzögerung - 1543 - den „Bildersturm“ als wohl geordnete Entfernung der Altäre. Kassettendecke, Kanzel, Empore und Altar werden um 1620/30 eingerichtet. Eine Glocke, 1520 von Jörg Kastner in Ulm gegossen, zählt zu den ältesten in der Region. Eine Besonderheit sind die vom Ulmer Stadtmaler Johann Stölzlin 1652 bis 1654 gefertigten lutherischen Bekenntnisbilder. 1800 erhält der Turm nach einem Blitzeinschlag seinen heutigen Spitzhelm.

Schlössle
1619 für den Patrizier Albrecht Schleicher und seine Frau Magdalena erbaut, bleibt das Steinheimer „Schlössle“ über 350 Jahre Landsitz der Ulmer Patrizierfamilien.
Den Schleichers folgen die Stammlers und die Kraffts, bis das Gebäude 1870 zum Bauernhof wird. In der Reihe von 18 derartigen Anwesen im Umland Ulms ist dieses eines der jüngsten. Das Jahr der Vollendung geht aus einer Banderole an der Südseite hervor, die auch die Initialen des bislang unbekannten Baumeisters zeigt: „L.M.“
Architektonisch stechen am schlichten Bau die Sgraffito-Einfassungen der Maueröffnungen und die aufgeputzten Quader („Rustika“) ins Auge. Diese Kratzputz-Technik hat ihren Ursprung im 14. Jahrhundert in der Toskana. Über Handelskontakte wird sie in Ulm publik, wo sie in der Renaissance sehr beliebt ist. 1985, als die bäuerliche Nutzung endet, ist das Gebäude stark sanierungsbedürftig. Bereits 1982 beginnen die langwierigen Restaurierungsarbeiten mit einer Baudokumentation .

Finningen

Finningen mit St. Mammas Kirche
Bild: Andreas Brücken

St. Mammas

Wohl schon in der Karolingerzeit Mitte des 9. Jahrhunderts entsteht auf dem Fundament eines römischen Wachturms ein aus Kalksteinquadern errichtetes Gotteshaus mit quadratischem Chor und rechteckigem Saal: Ur-St.-Mammas. Sein Chor wird im Zuge des Wiederaufbaus nach einem Brand im 12. Jahrhundert verlängert, ein mächtiger Turm an- und ein Chorbogen werden eingebaut. Das Chorpolygon sowie das Chorgewölbe im spätgotischen Stil datieren um 1480. Zur Ausstattung zählen die Figuren der Bistumspatrone Ulrich und Afra des Heimertinger Bildhauers Ignaz Waibl (geb. 1661, Todesdatum unbek.), bis wohl 1781 die Hauptfiguren des Altares. 1725 wird die Kirche komplett barockisiert und 1781 das Kirchenschiff verlängert. Der Frühklassizismus zeigt sich in der Kanzel von 1781, die Kreuzwegstationen (um 1800) sind im klassizistischen Stil.

Reutti

Kirche
St. Margaretha (Bild: Robert Furthmair)

St. Margaretha
Die Kirche geht aus einer Ende des 13. Jahrhunderts gestifteten Kapelle hervor. Der schlichten Chorturmanlage wird um 1472 ein lichter Chor vorgebaut. Um 1500 werden das Langhaus verbreitert und der Turm erhöht. St. Margaretha, 1442 zur eigenständigen Pfarrei erhoben, wird 1542 evangelisch. Der Chorraum aus spätgotischer Zeit enthält zwei besondere Kostbarkeiten: Ein Sakramentshäuschen aus Terrakotta von 1470 mit einer lebensnahen plastischen Wiedergabe des letzten Abendmahls sowie einen wertvollen Flügelaltar mit Szenen aus dem Leben Marias und schönen Schnitzfiguren des Ulmer Bildhauers Niklaus Weckmann aus dem frühen 16. Jahrhundert.

Bei der Innenrenovierung 1952/53 wird das neugotische, wegen seiner Drastik umstrittene Wandbild „Das jüngste Gericht“ entfernt. Stattdessen wird das Gemälde „Die Bergpredigt“ an der Fläche des Chorbogens angebracht. Erwähnenswert sind auch die drei ehrwürdigen Glocken der Kirche, die älteste stammt aus dem 13. Jahrhundert und hat die altertümliche „Zuckerhutform“.

Luftbild mit Blick auf das Schloss in Reutti
Bild: Wolfgang Adler

Schloss
An Stelle einer mittelalterlichen Burg lässt der Reuttier Patronatsherr Hans Roth, durch Geldgeschäfte und Handel reich geworden, 1550 das Schloss errichten. 1552 im Markgrafenkrieg in Brand gesteckt, wird es 1554 wieder aufgebaut und im 18. Jahrhundert mit Walmdächern versehen. 1683 wird eine katholische Schlosskapelle eingebaut, die bis 1800 besteht.

1815 bis 1914 ist das Schlossgut - mit kurzer Unterbrechung 1889 bis 1891 - im Besitz der Ulmer Kaufmannsfamilie Kispert. Sie startet eine Zuckerproduktion, aus der eine Brauerei mit Mälzerei und Wirtschaft hervorgeht. 1889 wird das Gut zerschlagen und das Inventar versteigert. Dabei geht das wertvolle Schlossarchiv verloren. Die Familien von Herman-Wain und von Malsen-Ponickau sind Besitzer von 1914 bis 1954. Modernisierungen wie elektrisches Licht,  zwei Bäder und Zentralheizung finden Einzug. Im Mai 1945 requiriert die amerikanische Besatzungsmacht das Schloss. Nach dem Abzug der Amerikaner werden Flüchtlinge einquartiert. Bis in die 1970er Jahre führt die Familie Schott hier eine Privatschule mit Internat und Lehrwerkstätten für Schlosser, Gärtner und Elektromechaniker unter dem Namen Evangelische Heimschule. Für circa fünf Jahre zog ein exklusives Möbelgeschäft Kunden aus Süddeutschland an. Ab 1979 begann die Renovierung und Umwandlung in Wohnungen.

Soldatenfriedhof mit Kriegsgräber
Bild: Roland Furthmair

Soldatenfriedhof
Wenige Tage nach der Besetzung Reuttis am 25. April 1945 requiriert die US-Verwaltung dieses Gelände, das der Gemeinde Reutti gehört. Es ist als Friedhof für gefallene alliierte Soldaten bestimmt.

Ab Mai kommen auch deutsche Gefallene und zivile Kriegsopfer dazu, darunter „Displaced Persons“ (englisch für eine Person, die nicht an diesem Ort beheimatet ist). Im Herbst werden die sterblichen Überreste der Amerikaner und Franzosen nach Frankreich verbracht. Für die Exhumierung werden ehemalige Mitglieder der NSDAP aus dem Ort verpflichtet. 1950 erfolgt die Umbettung von 449 deutschen Gefallenen aus 54 Orten. Die Kriegsgräberstätte, anfangs vorgesehen für bis zu 1300 Tote, firmiert lange unter verschiedenen Bezeichnungen: „Heldenfriedhof“, „Soldatenfriedhof“, „Ehrenfriedhof“. Der Friedhof ist seit 1949 in der Obhut des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge. 1954 übernimmt der Landkreis Neu-Ulm, der hier bereits seit 1952 am Volkstrauertag seine zentrale Gedenkfeier veranstaltet, die Trägerschaft über diese einzige Kriegsgräberstätte auf seinem Gebiet. 1962 geht das Grundstück in den Besitz des Landkreises über. 1991 bis 1993 wird der Soldatenfriedhof neugestaltet und Granitkreuze werden aufgestellt.

Holzschwang

Luftbild von Holzschwang mit Kirche
Bild: Wolfgang Adler

Georgskirche
Die Bruchsteinmauern des Langhauses der Georgskirche stammen aus dem 14. Jahrhundert - Chor, Turm und Sakristei aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Die Apostelglocke wird 1513 gegossen. Um 1770 erhält das Langhaus eine Stuckdecke im Stil des Spätrokoko. Altar und Kanzel in Neobarock kommen im Zuge der Renovierung 1911 hinzu. Der Turmhelm mitsamt Glockenstube wird 1935/36 erneuert und erhöht. Ersatz für die zwei während des Zweiten Weltkriegs eingezogenen Glocken erhält die Kirche 1949.

Eine Kirchengemeinde lässt sich schon im 14. Jahrhundert nachweisen. 1531 führt die Reichsstadt Ulm, obwohl der Ort nicht auf ihrem Territorium liegt, die Reformation ein. Im selben Jahr wird der am alten Glauben festhaltende Pfarrer Michael Grau entlassen. Im Dreißigjährigen Krieg erschießen katholische kaiserliche Soldaten die Pfarrer Daniel Sing und Peter Rommel. Der Versuch einer Re-Katholisierung durch Österreich wird 1676 von Ulm mit militärischer Gewalt verhindert. Pfarrer Johann Ulrich Bissinger (am Ort 1832-1862), verfasst eine Pfarrchronik und tritt auch als Dichter hervor.

Der älteste (Ost)Teil des Pfarrhauses stammt von 1473. Den auf 300 Jahre geschätzten Pfarrstadel baut die Gemeinde mit viel Eigenleistung bis 1985 zum Evangelischen Gemeindezentrum um. Ein Kriegerdenkmal vor der Kirche wird 1952 eingeweiht.

Schloss in Holzschwang
Bild: Roland Furthmair

Schloss
1458 erwirbt die Ulmer Patrizierfamilie Roth einen Großteil der Güter des Ortes. Zu ihrem Besitz gehören 1506 sechs Höfe, sieben Lehen und 14 Klein-Höfe („Sölden“). Der von den Roths geförderte Flachsanbau wird im Ort zum wichtigen Nebenerwerb.

Das ursprünglich spätgotische Schlösschen wird von Herrmann Roth 1561 in seine jetzige, der Renaissance entsprechende Gestalt gebracht. Vorbild dafür ist kein geringerer als der El Escorial- Palast bei Madrid, den das Schlösschen mit den beiden viereckigen und gleichen Ecktürmen an der Eingangsseite in winzigem Maßstab nachbildet. Ihre hauptsächliche Funktion besteht darin, den herrschaftlichen Charakter des verputzten Fachwerkbaus hervorzuheben und es von den anderen Gebäuden im Ort abzuheben. Der westliche Turm mit Eselsrücken-Blenden ist der ältere, möglicherweise noch aus spätgotischer Zeit stammend.
Mit der Fertigstellung nennen sich die Roths in ihrer protestantischen Linie „von und zu Holzschwang“. Nach deren Aussterben Mitte des 18. Jahrhunderts kommt das Schlösschen durch Erbschaft an die Ulmer Patrizierfamilie Baldinger, die es 1757/58 an den Ulmer Ratsherrn Franz-Daniel von Neubronner veräußert. 1762 wird es mit dem barocken Torpfeilerpaar versehen.

Zuvor lediglich Sommerwohnsitz, wird das Schlösschen seit 1936 ganzjährig bewohnt.

Hausen

Kirche St. Hausen
Bild: Andreas Brücken

St. Ulrich
Um 1450, nach Vollendung des Langhauses, entsteht an der Chorbogenspitze von St. Ulrich ein Weltgerichtsfresko. Einen Hinweis zur Entstehungszeit des Chors gibt das im Gewölbe befindliche Wappen von Konrad Roth und seiner Frau Afra Lieberin, deren Ortsherrschaft um 1469 beginnt. 1488 ist der ehemalige Hochaltar gefertigt.

Eine erste Renovierung der zur Pfarrei Holzschwang gehörenden Filialkirche erfolgt 1623 unter den Ortsherren Hieronymus und Sigmund Schleicher. Nach dem Dreißigjährigen Krieg ist sie in ruinösem Zustand. 1767 wird ein neuer Dachstuhl aufgebracht. Der 1623 erhöhte und 1750 renovierte Turm stürzt 1773 nach einem Blitzschlag ein. Durch Kollekten wird der drohende Abriss des Kirchleins vereitelt und stattdessen 1790 an der Nordseite ein neuer Turm hochgezogen. 1908 erfolgt im Langhaus die Wiederaufdeckung des Freskenzyklus „Leiden und Auferstehung Christi“ aus den 1470er Jahren.
1838 kommt es zum später umstrittenen Verkauf des Hochaltars mit Flügelgemälden der Ulmer Zeitblom-Werkstatt. 1908/09 wird in St. Ulrich eine Teilkopie aufgestellt - das Original befindet sich heute im Stuttgarter Landesmuseum.

Schloss
Der Schlossvogt von Hausen, ansässig in dem unter den Roth 1573 erbauten Schlösschen, hat im 18. Jahrhundert gleich sechs Herren zu dienen. Der Ulmer Bürgermeister Christoph Heinrich von Besserer (1721-94) einigt den zersplitterten Besitz durch Kauf und lässt 1768 das alte durch ein neues Schloss ersetzen.
Dem unbekannten Baumeister gelingt einer der eindrucksvollsten der von Ulmer Patrizierfamilien im „Ulmer Winkel“ erbauten Landsitze. Dem Stil der Zeit gemäß entwirft er einen breitgelagerten Baukörper unter gebrochenem Mansarddach. Zum wohlproportionierten Erscheinungsbild trägt der vorspringende Mittelrisalit (ein aus der Fluchtlinie eines Baukörpers hervorragender Gebäudeteil) bei, der die durch Brüstungsfelder und Rahmungen bandartig betonten Fensterachsen vertikal durchdringt. Der Giebel, ein klassizistisches Motiv, zeigt die Wappen Besserers und seiner Ehefrau Jenisch in einem Rokokorahmen.
Nach einem schweren Brand im Februar 1924 lässt der damalige Besitzer, Freiherr von Linden, von dem Berliner Architekten Julius Schulte-Frohlinde das zerstörte Obergeschoss in alter Formgebung wieder aufrichten und innen wieder herstellen.
Zwischen 1959 und 1969 dient das Gebäude dem „Jugendhof Hausen e.V.“ als Erholungsheim. Danach kommt es in Privatbesitz.

Grabkapelle der Familie v. Linden
Der Privatfriedhof und die zugehörige katholische Gruftkapelle gehen zurück auf den Königlichen Württembergischen Kammerherrn Hugo Freiherr von Linden (1854-1936), Sohn von Carl Friedrich Freiherr von Linden (1801-1870) und Erbe des von diesem 1855 erworbenen Schlosses Hausen. Auf den Kauf des idyllisch gelegenen Grundstücks 1904 folgt bis 1907 der Bau der Kapelle. Der Entwurf stammt vom Architekten Edmund Capitain, dem zu dieser Zeit Schloss Jedelhausen gehört.
Da sowohl katholische als auch evangelische Angehörige der Adelsfamilie beigesetzt werden sollen, bedarf es zum Bau der Genehmigung des Bischöflichen Ordinariats in Augsburg. Auch bereits länger verstorbene Familienmitglieder werden nun hierher überführt.
Unter dem Schiff des schlichten neugotischen Bauwerks befindet sich ein Gruftgewölbe. Auf der über eine offene Treppe erreichbaren Empore steht ein Harmonium. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wird das kleine Gotteshaus aufgebrochen und verwüstet.
Bis heute treffen sich die Mitglieder des weit verzweigten Adelsgeschlechts alljährlich kurz vor Allerheiligen, um in der Kapelle eine Gedenkmesse abzuhalten. Der 1981 gegründete Verein „Friedhofskapelle in Hausen e.V.“ hat sich den Erhalt und die Pflege des seit 1977 unter Denkmalschutz stehenden Kirchleins zur Aufgabe gemacht.

Jedelhauser Mühle

Bauernhof
Bild: Robert Furthmair

Franz Josef Müller kommt durch Grundstücks- und Immobiliengeschäfte zu Geld. Damit investiert er in den Bau eines Hofes mit Stall, Stadel und einer kleinen Getreidemühle. Im Jahr 1857 gebaut ist es das zehnte Haus in Jedelhausen.
Das für den Betrieb notwendige Wasser stammt vom Dorfgraben („Haltegraben“) mit zwei Stauweihern und von dem südlich der Mühle liegenden Brühlgraben. Durch stellenweise unterirdische Rohre wird das Wasser auf ein oberschlächtiges Rad geführt. Die Leistung der Mühle beläuft sich bei gutem Wasserdurchlauf von 50 Litern pro Sekunde auf lediglich 2,5 PS.

Die Mühle wechselt wegen fehlender Nachkommen ständig den Besitzer. Johann Ertle (1883-1949) ist seit 1906 Mühlenpächter. Er kauft die Mühle 1911 von seinem Bruder Michael, der die Brücklesmühle in Vöhringen betreibt. 1925 ersetzt Ertle das Rad durch eine Turbine, die durch die verbesserte Zufuhr des südlichen Wassers eine Leistung von 4 PS erreichen kann. Nach dessen Tod übernimmt Karl Eisenmann die Mühle. Nach der Zerstörung durch einen Brand im Sommer 1958 wird die Mühle nicht wieder aufgebaut. Als „Belohnung“ gibt es den so genannten „Mühlenpfennig“ - eine Abgabe der großen Mühlen an die kleinen, wenn diese aufgeben.

Gerlenhofen

Kirche im Neu-Ulmer Stadtteil Gerlenhofen
Bild: Roland Furthmair

St.-Wolfgangs-Kapelle
Kirchlicher Bezugspunkt Gerlenhofens ist lange Aufheim, wo mit „phaf heinrich von uffhain“ erstmals 1322 ein Geistlicher nachweisbar ist. Im späten 15. Jahrhundert entsteht die Kapelle St. Wolfgang als Filiale der Aufheimer Kirchengemeinde. 1760 wird sie umgestaltet und erhält 1872 den heutigen Kirchturm. Ein erster Schritt zur Eigenständigkeit der Kirchengemeinde ist die Übertragung des „Allerheiligsten“ von der Pfarrkirche in Aufheim in die Kapelle an Heiligabend 1928.
Regelmäßige Messen, eingeführt von Pfarrer Anton Rogg, finden seit 1952 statt. Weil das Kirchlein sich bald schon als zu klein erweist, tritt ein Kirchenbauverein auf den Plan. Er legt die Grundlagen für das 1960 eingeweihte Gotteshaus St. Maria Königin, entworfen von Erwin Böhm aus Augsburg und fast ohne öffentliche Zuschüsse errichtet.

Ludwigsfeld

Siedlung Ludwigsfeld Ost
Auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise von der Stadt Neu-Ulm initiiert, entstehen 1932 am Postweg in sechs Doppelhäusern zwölf Siedlerstellen. In der NS-Zeit in vier Abschnitten erweitert, erwächst daraus schließlich die Siedlung Ludwigsfeld-Ost. Äußerst einfach ausgestattet und daher kostengünstig, richtet sich das Bauprojekt anfangs an Arbeitslose, nach 1933 an einen erweiterten Kreis aus „minderbemittelten“ Familien mit mehreren Kindern.

Fürs erste lediglich pachtweise übernommen, vergehen zwei Jahrzehnte, bis die Häuser in das Eigentum ihrer Erbauer übergehen. Um die äußerst niedrig angesetzten Baukosten - je Siedlerstelle 3.000 Reichsmark - zu erreichen, sind die Siedler zur Gruppenselbsthilfe verpflichtet. Auf den großen Grundstücken sollen die Bewohner einen Teil ihrer Nahrungsmittel selbst produzieren. Kleintierzucht und Gartenbestellung sind notwendig.

Straßenschild mit Ulmer Ried und Wohngebiet
Bild: Roland Furthmair

Aus dem Erlebnis der solidarischen Bauaktion erwächst ein Gemeinschaftsgeist, der sich in der bis heute aktiven „Siedlervereinigung Ost“ einen vereinsmäßigen Rahmen gibt. Der Bau einer Wasserleitung geschieht ebenfalls in Gemeinschaftsleistung. Die Siedlung ist in vielfältiger Weise modernisiert. Dass die Idee, mit „Muskelhypothek“ Wohneigentum zu schaffen, nach wie vor trägt, zeigt sich 1984 und 1992, als im Ort weitere Gruppenselbsthilfe-Siedlungen entstehen.

Siedlung Ulmer Ried
Dorfähnlich wirkt das Ensemble aus 71 Häuschen, das ab November 1938 am westlichen Rande Ludwigsfelds in Selbsthilfe gebaut wird. Die „SA-Dankopfersiedlung“ - so ihr damaliger Titel - wird in der Propaganda des NS-Regimes als „Mustersiedlung“ im Sinne seiner (Bau-)Politik bezeichnet und eng darin eingeflochten. Die Idee geht zurück auf die Erwerbslosensiedlungen der Weimarer Republik, beispielsweise der Siedlung „Ludwigsfeld-Ost“. Die großen Nutzgärten und die Kleintierhaltung sind zudem im Sinne der Autarkiepolitik des Dritten Reiches, das vergleichbare „Siedlerstellen“ millionenfach initiiert. Die Flur „Ulmer Ried“, wonach die Siedlung nach Kriegsende umbenannt wird, gehört der Stadt Ulm, die auch Bauherrin ist. Erst nach 1945 werden die Siedler, die sich nun in einem Verein zusammenschließen, Eigentümer.

Tiefenbach

Höfe, Gärten und Häuser des Weilers Tiefenbach, davor ein Fluss

Aus ursprünglich einem einzelnen Bauernhof hervorgegangen, ist der Weiler Tiefenbach spätestens seit dem 14. Jahrhundert ein Lehen der Bischöfe von Augsburg. Ab 1424 ist er in Besitz der Ulmer Patrizierfamilie Geßler. Zwischen 1482 und 1605 sind die Kraffts Herren des befestigten Hofguts. In diese Zeit fällt wohl der Ausbau des Schlösschens. Vor wenigen Jahrzehnten noch vier landwirtschaftliche Anwesen umfassend, überwiegt in Tiefenbach heute die Wohnnutzung.

Das Schlösschen ist, wie ein Ölbild von 1722  zeigt, an beiden Ecken der Ostseite im obersten Stockwerk mit vierkantigen und mit spitzen Ziegeldächlein gedeckten Erkern ausgestattet - ein Renaissancemotiv. Der Giebel ist mit einem Glockentürmchen gekrönt, darunter das Zifferblatt einer Uhr. Ein Umbau um 1760 durch den Ulmer Ratsherrn Albrecht Besserer von Thalfingen bringt sichtbare Veränderungen. Er lässt die Erker-Türmchen abbrechen und in das äußerlich nun schlichte Giebelhaus ein barockes Treppenhaus einbauen. Aus klassizistischer Zeit stammt der Besserer-Wappenstein über dem Erdgeschoss der Giebelseite.

Gurrenhof

Altes Sommerhof, daneben Höfe, Wohnhäuser und Wiesen
Bild: Roland Furthmair

„Gurre“ ist der antiquierte Ausdruck für Stute. Im „Gurrenhof“ sind zu Zeiten der Freien Reichsstadt Ulm deren Stuterei und ihr Fohlenhof untergebracht. Dem Ulmer Spital gehörend, spielt der sieben Kilometer außerhalb liegende Hof somit eine wesentliche Rolle bei der Versorgung der Region mit Pferden.

1773 wird der Bestand an Hornvieh und an Pferden veräußert und der hospitalische Besitz in einen Pachthof umgewandelt. „Der Besitzer hat manche Besucher von der Stadt und mag auch Bier ausschenken. Die Gegend ist angenehm“, so erlebt der Ulmer Chronist Johann Herkules Haid in den 1780er Jahren das Gehöft.
1861 privatisiert, gelangt das Anwesen später in die Hände des Kommerzienrats und Fabrikanten Albert Römer, der einen Verwalter einsetzt und nach dem Ersten Weltkrieg große Erweiterungspläne hat. Realisiert davon wird schließlich 1920 ein sehr auffälliges Sommerhaus. Es ist in den Fassaden wie in der inneren Disposition der Räume völlig symmetrisch. Das Gebäude, entworfen von dem 1881 in Ulm geborenen Architekten Hermann Herrenberger, steht als spätes und daher besonderes Beispiel des Neoklassizismus unter Denkmalschutz. Seit 1930 im Besitz der Familie Landwehr, wird das Anwesen am 10. September 1944 bei einem Fliegerangriff schwer beschädigt.