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Siegmund Liebermann

Siegmund Liebermann mit Hut, neben ihm drei Frauen, vor einem Getreidefeld
Siegmund Liebermann (rechts) auf einem Getreidefeld (Bild: Privatnachlass Mathilde Liebermann)

Siegmund Liebermann wird am 16. September 1857 als erstes Kind von Julius Liebermann und seiner Frau Pauline geboren. Ihm folgen neun Geschwister. Julius Liebermann ist zu diesem Zeitpunkt wohl als Kaufmann tätig, er hat am 22.Juli 1856 die Berechtigung erhalten, mit Hopfen und mit Betten und Federn zu handeln.

Siegmund besucht die israelische Werktagsschule des Bezirks Ichenhausen im Schul-Disdrict Günzburg-Deffingen nachweisbar vom April 1863 bis Mai 1870. Im Anschluss absolviert er vermutlich noch ein Jahr eine Handelsschule, bevor er seine Ausbildung bei der Bayerischen Handelsbank München beginnt, die er am 31. Januar 1874 abschließt.

Ab dem 19.April 1874 arbeitet er als Comis im Landwirtschaftlichen Credit-Verein Augsburg im Comptoir. In seinem Zeugnis wird ihm Gründlichkeit, Fleiß und Fachkenntnis bescheinigt. Am 31. September 1895 verlässt er das Unternehmen. Nun arbeitet er in der Hopfenhandlung des Vaters, der mit der Familie inzwischen nach Neu-Ulm gezogen war, in enger Kooperation mit seinem Bruder Heinrich. Bereits am 4. Juli 1895 bestätigt der Magistrat der Stadt Neu-Ulm, dass Sigmund Liebermann am Ort eine Hopfenhandlung betreibt.

In Neu-Ulm bewohnt Siegmund Liebermann nach seiner eigenen Aussage wohl schon seit 1893 ein Zimmer im Bahnhofshotel im 2. Stock. Der Briefwechsel mit Mutter und Bruder zeigt, dass er immer wieder nach München pendelt. Hierher führen ihn die Verbindungen zum Bettengeschäft Liebermann in der Landschaftsstraße 6, die verwandtschaftlichen Beziehungen zum Kaufhaus Uhlfelder durch die Heirat seiner Schwester Mathilde mit Heinrich Uhlfelder und zum Kaufhaus Konen durch die Heirat seiner Schwester Josefine.
   

Zwei Männer mit Hut sitzen auf Klappstühlen an einem Tisch im Garten
Siegmund-Liebermann (rechts) im Garten (Bild: Privatnachlass Mathilde Liebermann)

Da für ihn als Ältesten die Sorge für Mutter und Geschwister vorgeht, kann er nicht heiraten. Er lernt aber Maria Hindl kennen. 1903 kommt ihr erstes Kind, die Tochter Mathilde, in München zur Welt. Zwei weitere, Sohn Karl und Tochter Anna, folgen.

Spätestens ab 1909 leben Mutter und Kinder in Olching. Siegmund Liebermann schätzt das dortige Familienleben, ist ein aufmerksamer Partner und den Kindern ein guter Vater, auch wenn er nicht immer anwesend sein kann. Er besucht sie, kümmert sich um Probleme und unterstützt finanziell. Sein persönliches Glück hält er vor vielen geheim.

Bei guter Gesundheit arbeitet er bis ins hohe Alter, doch der Traum, nach dem Ruhestand endgültig mit der Familie leben zu können, wird durch das Dritte Reich und die Rassengesetze verhindert.

So gibt es wechselseitige Besuche, auch noch als Siegmund Liebermann 1939 die Aufforderung erhält, sein Zimmer im Bahnhofshotel zu räumen. Dank eines Bittgesuchs an die Stadtverwaltung kann er es noch einige Zeit bewohnen, wird aber dann am 12. August 1942 nach Theresienstadt deportiert und stirbt dort bereits am 23. September 1942 an Hungertyphus. 
 

Blick von der Ludwigsstraße auf den Bahnhof und Bahnhofsplatz. Das Bahnhofhotel liegt an der Straßenecke rechts hinter dem Baum. (Bild: HdGBW)
Blick aus dem Bahnhofsvorbau auf den Bahnhofsplatz und die Ludwigsstraße. Vorne links ist das Hotel zu sehen, in dem Siegmund Liebermann für fast 50 Jahre ein Zimmer im 2. Stock anmietete. (Bild: HdGBW)

Quellen: