Haupt Inhalt

Renée Sintenis: Eine Pionierin der Bildhauerei im Edwin Scharff Museum

Das Edwin Scharff Museum zeigt ab 14. Mai eine der erfolgreichsten Künstlerinnen der Zwanziger Jahre

Schwarz-Weiß-Foto der Künstlerin neben der Plastik eines springenden Pferdes

Renée Sintenis mit ihrer Plastik Springender Bock, 1927 (Foto: Hans Robertson, ullstein bild, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020)

11. Mai 2020   –   „Lange mussten wir auf diese Ausstellung warten. Corona hat uns ausgebremst. Und nun wird diese tolle Sonderausstellung zu Renée Sintenis auch noch als ganz besondere Ausstellung in die zwanzigjährige Geschichte des Edwin Scharff Museums eingehen. Sie ist nämlich die erste, die einfach da ist und nicht vorher mit einer Vernissage zur Eröffnung gefeiert wurde“, sagt Museumsleiterin Dr. Helga Gutbrod mit einem Augenzwinkern. Ab Donnerstag, den 14. Mai, um 13 Uhr kann im Edwin Scharff Museum am Neu-Ulmer Petrusplatz endlich die neue Sonderausstellung mit dem Titel „Renée Sintenis. Pionierin der Bildhauerei“ besucht werden.

Nahezu jeder kennt sie, vermutlich ohne es zu wissen: Sie ist die Künstlerin, die die goldenen Bären geschaffen hat, mit denen seit 1960 bei den Berliner Filmfestspielen Filme, Filmschaffende und Schauspielerinnen und Schauspieler ausgezeichnet werden. Durch ihren Berliner Bären von 1956 wurde Sintenis zur Botschafterin der von ihr so sehr geliebten Stadt Berlin.

Sie gilt nicht nur als eine der erfolgreichsten Künstlerinnen der Zwanziger Jahre, sondern auch als Ikone und eine der meistfotografierten Frauen der Weimarer Republik. Mit ihren 1,80 Meter überragte sie die meisten Männer ihrer Zeit. Ob beim Ausritt im Tiergarten oder am Steuer des eigenen Automobils: Im Berlin der 1920er Jahre machte die hochgewachsene Künstlerin mit ihrem modischen Kurzhaarschnitt großen Eindruck.

Als Renate Alice Sintenis geboren (1888 – 1965), gibt sich die Zeitgenossin Edwin Scharffs bald den Künstlervornamen Renée. Sie ist eine der ersten Frauen, die sich professionell der Bildhauerei widmet, und wird vor allem durch ihre kleinformatigen Tierplastiken bekannt. Ihre Sportlerdarstellungen sprühen vor Dynamik und halten die Sportbegeisterung der Zeit fest. Eindrückliche Selbstbildnisse und die charaktervollen Porträts von Freunden, zu denen der Dichter Joachim Ringelnatz zählt, befördern das Interesse an ihrem künstlerischen Werk. Sintenis gehört zur ersten Generation der Bildhauerinnen, die sich in einer von Männern dominierten Kunstwelt behaupteten.

Obwohl ihre Bekanntheit insbesondere auf ihren Tierfiguren beruht, wendet sich Renée Sintenis in ihrer Ausbildung von 1907 bis 1910 zunächst der plastischen Darstellung des weiblichen Aktes zu, da an der der Unterrichtsanstalt des Berliner Kunstgewerbemuseums kein Zeichnen nach Tieren stattfindet, was sie sehr verwundert. Ab 1915 schafft sie ihre ersten Tierplastiken, mit denen ihr der künstlerische Durchbruch gelingt. Bereits als Kind zeichnete sie Tierfiguren in ihre Schulhefte. 1931 begründet sie dies: „Von früh an habe ich eine viel stärkere Beziehung zu Tieren denn zu Menschen gehabt. (…). Die Tiere forderten nichts von mir, sie wollten nichts, bei ihnen durfte ich ich selber sein.“ Als Bildhauerin beobachtet sie die Tiere und ihr Verhalten in der Natur, schafft sie dann aber in der Werkstatt ohne Modell, denn „Ich mag draußen nicht arbeiten, es zerstreut und verwirrt mich. Auf berlinerisch würde ich sagen: ‚Det macht mich janz besoffen‘.“ Ihre Lieblingstiere sind Hunde und Pferde. Insbesondere in der Darstellung von Jungtieren findet sie ihren Weg, das Wesen der Tiere festzuhalten.

Am Ende ihres Lebens kann Renée Sintenis auf fünf Schaffensjahrzehnte zurückschauen, in denen sie die Bildhauerei des 20. Jahrhunderts um eine eigenständige Position bereichert hat. Die Ausstellung in Neu-Ulm gibt mit über 80 Werken einen umfassenden Überblick über das Schaffen der Künstlerin.

„Renée Sintenis. Pionierin der Bildhauerei“ ist eine Kooperation mit der Sammlung Karl H. Knauf, Berlin, die in langjähriger Tätigkeit die mit Abstand umfangreichste Sammlung zu Renée Sintenis aufbauen konnte. Die Ausstellung ist ab dem 14. Mai geöffnet und kann donnerstags und freitags von 13 bis 18, samstags, sonntags und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr besucht werden. Von Montag bis Mittwoch bleibt das Museum geschlossen.

Bis zum 14. Juni werden an den Sonn- und Feiertagen von 14 bis 18 Uhr Museumspädagoginnen und -pädagogen in der Ausstellung sein, die gerne bei Fragen angesprochen werden können.  
 

Hygienemaßnahmen im Edwin Scharff Museum aufgrund der Corona-Pandemie

Im Edwin Scharff Museum gilt eine Maskenpflicht für die Besucher. Des weiteren müssen beim Besuch Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln eingehalten werden. Entsprechend der Größe des Museums dürfen sich maximal 40 Personen gleichzeitig in den Räumlichkeiten aufhalten. Der Zutritt wird zentral im Eingangsbereich an der Kasse gesteuert.
 

Daten zur Ausstellung

Ausstellungsdauer: bis 16. August 2020

Öffnungszeiten:
Do, Fr: 13 bis 18 Uhr
Sa, So, Feiertage: 10 bis 18 Uhr
(Mo bis Mi geschlossen)

Edwin Scharff Museum
Petrusplatz 4
89231 Neu-Ulm

Tel. 0731-7050-2520
www.edwinscharffmuseum.de