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Kampf um Sichtbarkeit: Künstlerinnen der Nationalgalerie vor 1919 im Edwin Scharff Museum

Neue Sonderausstellung „Kampf um Sichtbarkeit − Künstlerinnen der Nationalgalerie vor 1919“

Gemälde einer Frau, die auf einem Stuhl sitzt, ihre Hände liegen auf einem aufgeschlagenen Buch.

Antonie Volkmar: Bildnis der Marianne Beschütz, 1868, Ausschnitt © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Reinhard Saczewski

1. Dezember 2022  –  Erst ab 1919 stand Frauen der Weg für ein Studium an offiziellen Kunstakademien offen. Damit war nach langen Kämpfen und notwendigen politischen Umwälzungen ein wichtiger Schritt zur gleichberechtigten Teilhabe von Frauen am Kunstbetrieb gemacht. Die neue Sonderausstellung „Kampf um Sichtbarkeit − Künstlerinnen der Nationalgalerie vor 1919“ im Edwin Scharff Museum widmet sich jedoch genau den Ausnahme-Künstlerinnen, welchen es bereits vor 1919 gelang, auf sich aufmerksam zu machen und deren Werke letztlich sogar Eingang in die Nationalgalerie fanden.

 

Rund 50 Gemälde und Skulpturen von über 30 Künstlerinnen

Die von der Alten Nationalgalerie kuratierte Schau offeriert rund 50 herausragende malerische und bildhauerische Werke von 30 starken Künstlerinnen, die den Widerständen der damaligen Zeit trotzten und sich Gehör im männlich dominierten Kunstumfeld verschafften. Indem sie sich in künstlerischen Vereinigungen Ausstellungsmöglichkeiten erkämpften oder die Aufmerksamkeit wichtiger Förderer errangen, gelang einigen von ihnen eine exzeptionelle Karriere. So schlossen sich 1867 kunstschaffende Frauen und Förderinnen erstmals zu einer Interessensvertretung zusammen, indem sie den „Verein der Künstlerinnen und Kunstfreundinnen zu Berlin“ gründeten. Dieser sollte zum Vorbild für zahlreiche Vereinsgründungen in ganz Deutschland werden. Angegliedert waren diesen Vereinen oft sogenannte „Damen-Akademien“. Die angehenden Künstlerinnen versuchten dadurch fehlende staatliche Ausbildungsmöglichkeiten zu kompensieren.

Einige der gezeigten Exponate sind fester Bestandteil der ständigen Ausstellung der Alten Nationalgalerie Berlin, darunter Gemälde von Marie Ellenrieder, Caroline Bardua oder Sabine Lepsius. Andere wiederum wurden nach Jahren im Depot wieder neu präsentiert. Die Nationalgalerie möchte mit der Ausstellung die lang geübte Praxis, Künstlerinnen die ihnen gebührende Aufmerksamkeit vorzuenthalten, revidieren.
In diesem Sinne ist auch der eben getätigte Neuankauf eines Gemäldes von Ernestine Schultze-Naumburg (Orlandini), das „Bildnis einer Dame im weißen Kleid“ zu verstehen, das in Neu-Ulm erstmals öffentlich gezeigt wird. Als Mitglied der Berliner Secession arbeitete Schultze-Naumburg am Puls der Zeit.

„Wir freuen uns sehr, dass wir dieses Gemälde vorstellen dürfen und so ein weiteres Mal veranschaulichen können, zu welcher herausragenden Leistung Frauen trotzt immenser Restriktionen fähig waren. Die anhaltenden Diskussionen um Gendergerechtigkeit im Kunstbetrieb zeigen ja auch, dass der Kampf der Künstlerinnen um Sichtbarkeit und Gleichberechtigung noch längst nicht obsolet ist. Umso schöner, dass wir diese beeindruckende Schau in den süddeutschen Raum holen konnten“, erklärt Dr. Helga Gutbrod, Leiterin des Edwin Scharff Museums.

Die Neu-Ulmer Ausstellung ist die einzige Möglichkeit, diese Werke in Süddeutschland zu betrachten.


Eröffnung am 2. Dezember

Die Ausstellung wird am Freitag, 2. Dezember um 18 Uhr eröffnet. Zur Ausstellungseröffnung sprechen Katrin Albsteiger, Oberbürgermeisterin Katrin Albsteiger sowie Dr. Helga Gutbrod, Leiterin des Edwin Scharff Museums. Dr. Yvette Deseyve, Kuratorin Skulptur und Plastik, Alte Nationalgalerie und Friedrichswerdersche Kirche, Staatliche Museen zu Berlin, führt die Gäste in die Ausstellung ein. Anschließend besteht für alle Anwesenden die Möglichkeit zu einem ersten, kostenlosen Besuch der Ausstellung.

 

Begleitprogramm zur Ausstellung

Informationen zu Führungen und Veranstaltungen zur Ausstellung gibt es auf der Website des Edwin Scharff Museums: Sonderausstellung: Kampf um Sichtbarkeit (edwinscharffmuseum.de)