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Neue Ausstellung im Edwin Scharff Museum: „Wie ein Traum! Emil Orlik in Japan"

Das Edwin Scharff Museum Neu-Ulm widmet sich ab 13. Oktober der Japan-Begeisterung um 1900 und von Emil Orlik im Speziellen

Ein Bild mit einer Straße und Personen, im Hintergrund Geschäftsgebäude mit asiatischen Schriftzeichen

Emil Orlik: Eine Straße in Tokio, 1900, Farblithografie, Blatt 2 der Mappe „Aus Japan“ (Foto: Nik Schölzel)

11. Oktober 2018   -   Neu-Ulm träumt von Japan: Unter dem Titel „Wie ein Traum! Emil Orlik in Japan“ zeigt das Edwin Scharff Museum am Neu-Ulmer Petrusplatz vom 13. Oktober 2018 bis 10. Februar 2019 meisterhafte Grafiken von Emil Orlik und gibt Eindrücke seiner Japan-Reise anhand von Reisefotografien der Zeit wieder.

Anlass für die Ausstellung: Dem Museum ist es gelungen, die Mappe „Aus Japan“ von Emil Orlik aus dem Jahr 1904 zu erwerben. „Es ist selten, diese Mappe vollständig mit allen 15 Grafiken und in gutem Zustand zu bekommen“, freut sich Museumsleiterin Dr. Helga Gutbrod. Seit dem Erwerb dieser Mappe 2014 liebäugelt sie mit einer Ausstellung des Maler, Grafikers und Kollegen von Edwin Scharff an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin.

Die großzügige Unterstützung des Hamburger Privatsammlers Peter Voss-Andrae ermöglicht es nun, die künstlerische Ausbeute der japanischen Studienreise Orliks breit aufzufächern. Orliks Reiseeindrücke werden in der von Gutbrod kuratierten Ausstellung in Neu-Ulm mit ausgewählten, japanischen Holzschnitten von Großmeistern wie Hokusai oder Hiroshige aus einer Krefelder Privatsammlung konfrontiert. Den Einfluss des exotischen „Landes der aufgehenden Sonne“ auf die westliche Kunst belegen zudem ausgewählte kunsthandwerkliche Objekte im „Japan-Stil“ aus dem Bröhan Museum in Berlin, sowie historische Aufnahmen des österreichischen Fotografen Raimund Stillfried von Rathenitz aus dem Historischen Museum Braunschweig.

Als Ende des 19. Jahrhunderts vermehrt japanische Grafik und Kunsthandwerk in Europa zu sehen war, löste dies eine wahre Japan-Leidenschaft aus, der auch Emil Orlik erlag. Dem in Prag geborenen, später in Wien und Berlin lebenden Maler und Grafiker, genügte das Studium der fremdländischen Werke auf den Weltausstellungen oder in einschlägigen Sammlungen nicht. Direkt vor Ort wollte er die für die europäische Kunstwelt seiner Zeit so faszinierende und inspirierende Technik des japanischen Farbholzschnitts erlernen. So wurde er zu einem der wenigen europäischen Künstler, die die beschwerliche, zweimonatige Reise nach Japan unternahmen. Von Wien fuhr er nach Genua, schiffte sich dort ein und reiste durch den Suezkanal, über Ceylon und Hongkong, bis nach Japan. Von April 1900 bis Februar 1901 blieb er dort. Zehn Monate, in denen er Künstlern in ihren Werkstätten über die Schulter blickte, zahlreiche Anregungen erhielt und unter anderem die Kunst des Holzschnitts zu einer für Europäer ungewöhnlichen Meisterschaft entwickelte.

Das Edwin Scharff Museum zeigt insgesamt 65 Grafiken, die Orlik zum Thema Japan geschaffen hat, ergänzt durch zahlreiche Entwürfe für Buchillustrationen. Die Werke – längst nicht nur Holzschnitte, sondern auch Farblithografien und Radierungen – zählen zu den schönsten Zeugnissen des sogenannten Japonismus. Die Faszination, die damals von Japans fremdartiger Formensprache ausging, hat Orlik mit einer Frische und einem besonderen Sinn für Harmonie festgehalten, die sich auch dem heutigen Betrachter mitteilt. Wie er verfielen seit den 1870er Jahren – ausgehend von Frankreich – viele Künstler der fremden Ästhetik. So wurde die Zeit des Jugendstils zugleich die Zeit der Japan-Begeisterung in Europa. Besonders die ungewöhnliche Weise japanischer Künstler Bilder zu komponieren, inspirierte sie zu eigenen Bildentwürfen.

Vernissage am 12. Oktober:
Ein erster, kostenloser Blick in „Wie ein Traum! Emil Orlik in Japan“ ist am Freitag, den 12. Oktober, um 19 Uhr bei der Vernissage möglich. Oberbürgermeister Gerold Noerenberg und Museumsleiterin Dr. Helga Gutbrod werden die Ausstellung eröffnen. Die Gruppe Komuso-Zen-Shakuhachi Daijifû umrahmt die Vernissage musikalisch mit Musik der Komuso-Zen-Mönche auf der traditionellen Shakuhachi, einer japanischen Bambusflöte.

Die Ausstellung wird ergänzt von einem reichen Rahmenprogramm mit Führungen, zwei Museumssonntagen zur Kultur Japans, einem Atelier für Erwachsene im Museum und einer Museumswerkstatt für Schulen und Kindergärten vom 12. bis 30. November, ferner dem neuen Format des offenen Ateliers, das am Samstag, den 6. Oktober startet, und zahlreichen anderen Veranstaltungen.

Mehr zu Orliks Mappe findet sich auf dem Blog des Museums. Sie war Kunstwerk des Monats im November 2017: http://blog.edwinscharffmuseum.de  

Daten zur Ausstellung
Eröffnung: Freitag, 12. Oktober um 19 Uhr
Ausstellungsdauer: 13. Oktober 2018 bis 10. Februar 2019

„Wie ein Traum! Emil Orlik in Japan“ ist vom 13. Oktober 2018 bis 10. Februar 2019 dienstags und mittwochs von 13 bis 17, donnerstags und freitags von 13 bis 18, samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr zu sehen.

Edwin Scharff Museum
Petrusplatz 4
89231 Neu-Ulm

Tel. 0731/7050-2555
www.edwinscharffmuseum.de