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„Zarte Männer in der Skulptur der Moderne“ im Edwin Scharff Museum

Das Edwin Scharff Museum Neu-Ulm zeigt ab 13. Juli sinnliche Männer-Skulpturen von Bildhauern aus drei Generationen / Eröffnung Freitag, 12. Juli

Foto von der Skulptur eines sitzenden, aufschauenden Jünglings

Hermann Blumenthal wurde von Edwin Scharff früh gefördert. Sein „Sterngucker“ wird mit anderen „Zarten Männern“ in der Ausstellung im Edwin Scharff Museum in Neu-Ulm zu sehen sein. (Hermann Blumenthal: Sitzender aufschauend (Sterngucker), 1936, Georg Kolbe Museum, Dauerleihgabe Nachlass Blumenthal)

12. Juli 2019   –   Zarte Männer? Vom 13. Juli bis 3. November sind viele im Edwin Scharff Museum am Neu-Ulmer Petrusplatz zu finden. Unversehrte, aber verletzliche Jünglinge – in auffallender Vielzahl bearbeiteten die Bildhauer am Beginn des 20. Jahrhunderts dieses Bild. Was überrascht: Die Konzeption eines empfindsamen männlichen Körperideals scheint dabei im herben Widerspruch zu stehen zur äußeren Wirklichkeit und zum militärisch geprägten Männerbild der Zeit.

„Zarte Männer in der Skulptur der Moderne“ heißt die erfolgreiche Ausstellung, die in Kooperation mit dem Georg Kolbe Museum in Berlin gezeigt wird und die dort Anfang des Jahres ein Riesen-Erfolg war. Rund 60 Plastiken von Bildhauern aus drei Generationen, die zwischen 1847 und 1912 geboren wurden, sind als Sommerausstellung (die sich bis in den Winter ziehen wird) in den seit einem Jahr klimatisierten Räumen zu sehen. Darunter u. a. von Adolf von Hildebrand, George Minne, Renée Sintenis, Georg Kolbe, oder Gerhard Marcks.

In Neu-Ulm wird noch ein spezieller Schwerpunkt mit Lokalbezug hinzugefügt: Hermann Blumenthal, der Meister-Schüler Edwin Scharffs, wird besonders gewürdigt. Der begabte Bildhauer wurde von Edwin Scharff früh gefördert und ist Träger zahlreicher Preise.

In einem Umfeld des kriegerisch-militanten Selbstbewusstseins der späten Kaiserzeit und der noch jungen Demokratiebewegungen suchten die vorwiegend männlichen Künstler nach Verfeinerung von Körper und Geist. Der Kult um die Jugend, der sowohl in militanten wie in pazifistischen Kreisen in der Zeit um 1900 blühte, beflügelte dieses Ideal des zarten Mannes. Es bildete sich eine neuere Bildhauerei heraus, die das Verletzliche, teils innerlich wie äußerlich Verletzte, in ihren fragilen Körperkonzeptionen mitdachte. Eindringlich sind die Beispiele aus der Zeit der nationalsozialistischen Kunstdiktatur, in der die geforderte Weltordnung endgültig keinen Platz mehr für die Feinfühligen, Zögerlichen und Zweifelnden vorsah und die Pluralität zunichtemachte. Gleichzeitig zeigen sie die Vielfalt moderner Geschlechterrollen, die Ausdruck einer bis heute aktuellen Emanzipationsgeschichte sind.

Vernissage am Freitag, 12. Juli:
Ein erster, kostenloser Blick ist am Freitag, 12. Juli, ab 19 Uhr bei der Vernissage möglich. Oberbürgermeister Gerold Noerenberg und Museumsleiterin Dr. Helga Gutbrod werden die Ausstellung eröffnen. Anschließend führt die Leiterin des Berliner Georg Kolbe Museums, Dr. Julia Wallner in die Ausstellung ein. Musikalisch umrahmt wird die Ausstellungseröffnung von Stefan Schmitz an der klassischen Gitarre.

Rahmenprogramm zur Ausstellung:
Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Rahmenprogramm mit Führungen, Führungen mit Schriftdolmetscherin, einer Museumswerkstatt für Schulen und Kindergärten vom 7. bis 25. Oktober, offenen Samstags-Ateliers, einem Aktzeichenkurs und Sonntags-Ateliers zum figürlichen Zeichnen, einem beschwingt-musikalischen Museumssonntag rund um zarte Männer am 1. September sowie zahlreichen anderen Veranstaltungen ergänzt. Erstmals wird es spezielle, kostenlose Führungen für Lehrkräfte am 16. Juli und 25. September geben, in denen Lehrerinnen und Lehrer mit der Ausstellung vertraut gemacht werden. Auch anlässlich des Sommerfests des Edwin Scharff Museums am 18. Juli wird die Ausstellung geöffnet sein.

„Zarte Männer in der Skulptur der Moderne“ ist eine Kooperation mit dem Georg Kolbe Museum Berlin. Die Ausstellung ist vom 13. Juli bis 3. November 2019 dienstags und mittwochs von 13 bis 17, donnerstags und freitags von 13 bis 18 samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Zur Ausstellung gibt es einen Begleitband zum Preis von 15 Euro.

Daten zur Ausstellung:
Eröffnung: Freitag, 12. Juli, um 19 Uhr
Ausstellungsdauer: 13. Juli bis 3. November 2019

Broschüre zur Ausstellung (PDF, 900 KB)

Edwin Scharff Museum
Petrusplatz 4
89231 Neu-Ulm

Tel. 0731-7050-2555
www.edwinscharffmuseum.de