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Gänstorbrücke

Die Gänstorbrücke, die die Städte Ulm und Neu-Ulm über die Donau hinweg verbindet, muss neu gebaut werden. Aufgrund der Bedeutung des Bauwerks und der Ansprüche an seine Gestaltung wurde ein Realisierungswettbewerb initiiert. Die Ergebnisse des Wettbewerbs wurden im Frühjahr 2020 öffentlich präsentiert.

Zeitplan

Der Baubeginn der neuen Brücke ist für das Jahr 2024 anvisiert. Bis dahin müssen verschiedene Gutachten und Prüfungen, etwa hinsichtlich Umwelt und Wasserrecht, durchgeführt werden.

Der Bau der neuen und der Abbau der alten Brücke sollen stückweise so erfolgen, dass der Verkehr aufrechterhalten werden kann: Während eine Seite der alten Brücke abgerissen wird, kann der Verkehr noch auf der anderen Seite fließen. Zeitgleich wird der erste Strang des Neubaus errichtet.

Das Bauende unterliegt einer gewissen Variabilität und kann voraussichtlich nach Abarbeitung der Entwurfsplanung sowie den entsprechenden politischen Beschlussfassungen geplant werden.

So könnte die neue Gänstorbrücke aussehen

Visualisierung der geplanten neuen Brücke über die Donau. Links im Bild Radfahrer, die auf dem Radweg unter der Brücke hindurchfahren.
Siegerentwurf des Berliner Büros Klähne Bung / Beratende Ingenieure im Bauwesen GmbH


Eine Jury hatte am 7. Februar 2020 aus verschiedenen Entwürfen ihren Favoriten für die neue Gänstorbrücke ausgewählt. Das Modell zeigt sowohl in seiner schlanken Form als auch in seinem Ingenieursgeist starken Anklang an die bisherige Brücke, die derzeit nur noch einspurig je Richtung befahrbar ist. Die Entwürfe wurden im Ulmer Stadthaus sowie in der Neu-Ulmer Glacis-Galerie ausgestellt.
 

Reminiszenz an das alte Bauwerk

"Der Siegerentwurf fügt sich unaufdringlich in das Stadtbild ein und entwickelt die bestehende Brücke technisch weiter", sagt Roswitha Schömig, Leiterin des Sachgebiets Ingenieurbauwerke der Stadt Ulm. Die extrem schlanke Figur der Brücke soll beibehalten werden, ebenso die Widerlager- und Bastionswände, die zu Aussichtbastionen weiterentwickelt werden könnten. Ziel ist ein Bauwerk, "das Ort und Geschichte nicht negiert, sondern fortschreibt und dem Betrachter vermittelt", wie es das Berliner Ingenieurbüro formuliert.

Dies gilt auch hinsichtlich des Ingenieursgeists des Bauingenieurs Ulrich Finsterwalder, dem sich die Planerinnen und Planer verpflichtet fühlen. Mit der Gänstorbrücke baute Finsterwalder Anfang der 1950er Jahre eine der ersten Spannbetonbrücken Deutschlands. Die künftige Brücke soll, neuen Anforderungen und effektiverem Materialeinsatz geschuldet, eine Stahlkonstruktion sein.
 

Auswahlverfahren

Die Stadt Ulm ist federführend in dem Projekt und hatte den Realisierungswettbewerb ausgelobt, aus dem die jetzigen Entwürfe ausgewählt wurden. Für die Auswahl waren unter anderem folgende Kriterien ausschlaggebend: städtebauliche Einbindung in die Umgebung, architektonische Gestaltung, statisch-konstruktive Konzeption, technische Realisierbarkeit, Funktionalität, Eingriffe in den Verkehr, verkehrsplanerische Funktion sowie die Wirtschaftlichkeit hinsichtlich Herstellung, Erhaltung und Unterhalt.

Ultraschall-Sensoren prüfen die Gänstorbrücke

An der Gänstorbrücke kommt jetzt ein neuartiges System zum Einsatz, das per Ultraschall den Zustand des Bauwerks prüft. Am 23. September 2020 wurde damit begonnen, die entsprechenden Sensoren im Beton einzubringen. Die Gänstorbrücke wird bereits sehr gut auf Schäden untersucht und aufwändig überwacht, weshalb sie sich für diesen Test eignet. Das System wird von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) montiert und ist für die Städte Ulm und Neu-Ulm kostenlos.

Jeder der Sensoren kann Signale im Ultraschallbereich senden und empfangen. Die Sensoren werden sich künftig in regelmäßigen Abständen gegenseitig Signale senden. Bei einer Störung im Bauwerk verändert sich die Dauer des empfangenen Signals. Dadurch wird der Schaden erkannt und kann aufgrund der Vielzahl der Sensoren gut lokalisiert werden.

Das Verfahren wurde an Probewürfeln entwickelt. Es soll zukünftig eine noch bessere und sichere Überwachung alternder Brückenbauwerke ermöglichen. Die Brücke über der Donau zwischen Ulm  und Neu-Ulm ist eines der ersten richtigen Bauwerke, an welchem es getestet wird. Die BAM bringt es im Rahmen von Forschungsaufträgen der Bundesanstalt für Straßenwesen und der Deutschen Forschungsgemeinschaft an. Dies erfolgt in Zusammenarbeit mit den Städten Ulm und Neu-Ulm sowie den Ingenieurbüros, die hier bereits tätig sind.

Daten und Fakten zur Gänstorbrücke

Die Gänstorbrücke wurde 1950 erbaut und verbindet die Städte Ulm und Neu-Ulm. Das Bauwerk hat eine Gesamtlänge von 96,10 Metern und eine Breite von 18,60 Metern und wurde als gelenkloser Rahmen ausgeführt. Die Konstruktionshöhe am Scheitel beträgt 1,20 Meter und im Anschlussbereich ca. 4,20 Meter. Die Brücke gehört den Städten Ulm und Neu-Ulm zu jeweils 50 %.
 

Geschichte

  • 24.04.1945: Sprengung der 1910 bis 1912 errichteten "alten" Donaubrücke beim Gänstor (Widerlager und Pfeilerstümpfe sind erhalten geblieben) 
  • 20.02.1950: Beginn Bauausführung der Gänstorbrücke
  • 10.12.1950: Verkehrsübergabe der Gänstorbrücke
  • 1972: Sanierung der Betondecke, Einbau einer Abdichtung
  • 1981: Bei Brückenprüfung werden Risse festgestellt, Untersuchung zeigt, dass unvollständig verpresste Spannglieder mit Korrosion vorhanden sind.
  • 1982: Erneuerung der Fahrbahnabdichtung, Nachspannen und Verpressen von Spanngliedern. Verstärkung des Bauwerks durch Daueranker. Rückstufung des Bauwerks von Brückenklasse 45 in Brückenklasse 30 (keine Schwertransporte)
  • 1988: Verstärkung des ersten Hauptträgers mit 25mm Spritzbeton
  • 2000/2001: Gehwegsanierung
  • 2016/2017: Beauftragung einer Bauwerksprüfung und einer Nachberechnung zur Festlegung des Sanierungsaufwandes und des Ziellastniveaus.
  • 2018: Untersuchung kritischer Stellen aus der Nachberechnung zur Absicherung der Rechenansätze und angenommenen Materialeigenschaften.