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Wiley – Erfolgreiche Militärkonversion in Neu-Ulm

Wiley – aus einem ehemaligen amerikanischen Kasernenstandort in Neu-Ulm ist ein attraktives Wohnquartier entstanden.

„Chancen, die sich einem bieten, muss man ergreifen und Bedenken aus dem Weg räumen. Die Stadt Neu-Ulm hat nicht gezaudert, sondern angepackt“. Neu-Ulms Oberbürgermeister Gerold Noerenberg wählte diese Worte mit Bedacht, verlieh ihnen aber gleichzeitig auch Nachdruck. Er sprach von der erfolgreichen Konversion ("Umwandlung") ehemalig militärisch genutzter Flächen in der Stadt. Eine Erfolgsgeschichte, die im Freistaat Bayern einzigartig ist.

Zwei Jahrzehnte sind vergangen, seit die Stadt Neu-Ulm rund 140 Hektar Militär- und Kasernengelände vom Bund erworben hat. Dieses Gebiet gliedert sich in insgesamt sechs Flächen auf, die alle im Stadtgebiet liegen. Die Wiley-Kaserne mit knapp 80 Hektar nimmt den größten Bereich ein und grenzt an die südliche Innenstadt an. Das Areal ist aufgeteilt in die drei Bereiche Wiley-Nord, Wiley-Mitte und Wiley-Süd. Die restlichen ehemaligen Militärflächen sind die Nelson-Kaserne mit 15 Hektar, das Vorfeld-Wohngebiet mit fast 29 Hektar, das einstige Donau-Kasino und der Landeplatz Schwaighofen mit zusammen rund 19 Hektar. In Nelson und Wiley befanden sich zu Beginn der Konversionsmaßnahmen Wohngebäude für Mannschaften und Offiziere, technische Gebäude, Waschanlagen für Panzer sowie Freizeit- und Versorgungseinrichtungen (wie Kirche, Mehrzweckhalle, Kino, Sporthallen, Wasser- und Heizwerk).

Konversion: Umwandlung und Aufwertung

Die Hauptaufgabe der Stadterneuerung im Rahmen der Konversion war von Anfang an klar umrissen: Der erhaltenswerte Gebäudebestand auf den Konversionsflächen sollte umgenutzt und die übrigen Grundstücke mittels Flächenrecycling für eine Neubebauung aufbereitet werden. Die Konversionsmaßnahme in Wiley-Süd, das sich besonders durch eine recht lockere Bebauung auszeichnete, sollte eine zügige Stadterweiterung ermöglichen. Hierbei sollten sowohl ökologische als auch aus finanzielle Aspekte berücksichtigt werden.

Nach mehreren Verhandlungsetappen 1993 und 1994 gelangte die Stadt Neu-Ulm schließlich in den Besitz des insgesamt 140 Hektar großen ehemaligen Militärgeländes. In Verhandlungen mit dem Bund hatte man sich auf einen Kaufpreis von 86 Millionen Deutsche Mark verständigt. Bereits 1993 beschlossen die damaligen Stadtverantwortlichen wegen des komplexen Stadtentwicklungsprozesses, alle gesellschaftlichen Gruppen in die Abläufe der Konversion einzubinden. Es sollte ein möglichst breiter Konsens in den politischen Gremien hergestellt werden. Daher wurde ein Konversionsausschuss gebildet und entsprechende Arbeitsgruppen eingesetzt.

1994 folgte ein bundesweit ausgelobter städtebaulicher Ideenwettbewerb für die neue Planung des Wiley-Geländes. Sieger war das Büro Wolfram Baltin + Partner. Dieses wurde ein Jahr später mit der Erstellung der Rahmenplanung beauftragt, die Grundlage für sämtliche Bebauungspläne im Wiley-Areal. Während aller Planungsphasen und bis heute konnte die Zielsetzung des Wettbewerbs, die Dreigliedrigkeit des Gebietes zu erhalten, übernommen und umgesetzt werden. Nach jahrelanger erfolgreicher Konversionsarbeit kann die Stadt Neu-Ulm heute auf ein herausragendes Kapitel ihrer Stadtentwicklung zurückblicken. 

In Wiley entstand ein attraktiver und lebendiger Stadtteil in zentraler Lage zur Innenstadt. Dieser kombiniert Wohnen, Arbeiten und Freizeitmöglichkeiten miteinander. 

Ausschlaggebend für die erfolgreiche städtebauliche Entwicklung war für Oberbürgermeister Gerold Noerenberg neben den gelungenen Planungen vor allem auch die Einbeziehung der Bürger in das laufende Verfahren. Und das von der ersten Minute an: „Schon im Jahr 1995 wurde eine so genannte Bürgerwerkstatt installiert. Hieraus entwickelte sich eine überaus fruchtbare öffentliche Diskussion. Zudem konnten durch die Werkstatt auch Bedenken und Vorurteile der Bürger gegenüber den ehemals amerikanischen Flächen ausgeräumt werden.“ Die Vergangenheit habe gezeigt, dass genau dies der richtige Weg war und noch immer ist. „So konnte das angestrebte Ziel erreicht werden, mit Wiley ein Stadtquartier zu entwickeln, in dem Wohnen und Arbeiten möglich ist, in dem sich die Bürger Neu-Ulms wohl fühlen“, so Oberbürgermeister Noerenberg.

Wiley-Nord

Wiley-Nord ist das etwa 15 Hektar große Quartier zwischen Memminger Straße, Heinz-Rühmann-Straße, Bradleystraße und Europastraße. Die Kasernengebäude im westlichen Abschnitt wurden als erhaltenswert eingestuft und konnten umgenutzt werden.

Folgende Einrichtungen sind in die Bestandsgebäude eingezogen: Seit November 1998 ist das Technologie- und Gründerzentrum in Betrieb. Durchschnittlich sind dort 25 Existenzgründer-Unternehmen tätig. Daneben befindet sich die Weiterbildungseinrichtung der Gesellschaft für Technische Bildung (GTB) sowie das Albertinum, eine Seniorenwohnanlage mit 82 Wohnungen sowie zwölf Kurzzeitpflegeplätzen. Das Multiplexkino Dietrich-Theater mit seinen sieben Kinosälen ist ein weiterer wichtiger Anziehungspunkt.

Nachdem der Recyclinghof, der zwischenzeitlich in Wiley-Nord angesiedelt war, 2015 in den Breitenhof verlagert wurde, sollen nun auch die verbleibenden Brachflächen im Bereich Romy-Schneider-Straße bis Curd-Jürgens-Straße zu einem attraktiven Quartier entwickelt werden. Das städtebauliche Konzept aus 2013, das vom Büro bs+ Städtebau und Architektur aus Frankfurt erstellt worden war, bildet gemeinsam mit dem 2015 von der Verwaltung erarbeiteten Straßenraumkonzept die Grundlage für die weitere Entwicklung. Während der mittlere Abschnitt für den Bau von Schulen reserviert wird (Mark-Twain-Grundschule, Lessing-Gymnasium), ist in dem östlichen Bereich um die Curd-Jürgens-Straße die Erschließung eines Wohnquartiers vorgesehen (siehe Wohnquartier Wiley-Nord).

Wiley-Mitte

Die 19 Hektar Fläche in Wiley-Mitte wurden für die Landesgartenschau in Neu-Ulm 2008 gestaltet. Aktuell dient dieser Bereich zwischen Europastraße und der John-F.-Kennedy-Straße der Bevölkerung als Sport- und Freizeitpark mit einem Bolz- und Fußballplatz, einer Skaterbahn, einem Kinderspielplatz mit Wasserspielen und einem Beachvolleyballfeld. In Wiley-Mitte befinden sich zudem die neue Hochschule, ehemalige militärische Wohngebäude, die heute als Studentenwohnungen genutzt werden, das ehemalige US-Casino, der heutige Wiley-Club (ehemals ein US-Casino), ein Teil der Bundesfestung Ulm/Ulm-Neu-Ulm (Ludwigsvorfeste) sowie die Friedenskirche.

Wiley-Süd

Das größte Teilgebiet des Wiley-Areals, Wiley-Süd, wurde als eigentlicher Wohnschwerpunkt bestimmt. Innerhalb von drei Bauabschnitten sind rund 1.250 Wohneinheiten und drei Studentenwohnheime mit insgesamt 280 Zimmern fertig gestellt worden. In Wiley-Süd leben heute mehr als 3.300 Menschen.

Das bestimmende Element der räumlichen Gestaltung ist eine U-förmige Hofform, die große, zusammenhängende Hofquartiere schafft. Entlang der westlichen Grenze des Areals wurde parallel zur Hauptverkehrsachse Memminger Straße 2001 das „edisoncenter“ als Dienstleistungszeile auch mit Lärmschutzfunktion für die angrenzende Wohnbebauung realisiert.

Prägnant für das Gebiet ist die doppelte Baumreihe, die den gesamten Bereich gestaltet. Zentrales Element ist zudem der Peter-Biebl-Park, der sich durch das komplette Gebiet zieht und im Süden an den Stadtteil Ludwigsfeld grenzt.

Im westlichen Bereich, an der Edisonallee ist ein Marktplatz als zentraler Ort für Einkauf, Begegnung und Kommunikation entstanden: der Stadtteilplatz Wiley-Süd, der im Juli 2017 offiziell eingeweiht wurde.

Bereits im Mai 2004 hat sich der Bürgerverein Wiley-Süd e. V. formiert. Der gemeinnützige Verein fördert den Breitensport, den Umweltschutz, Kultur und die Familie. Außerdem vertritt dieser die Interessen der Bürger in Wiley-Süd.

Eine Zusammenfassung aller wichtigen Informationen zur Militärkonversion in Neu-Ulm bietet folgende Broschüre:

Konversion der Militärflächen in Neu-Ulm (PDF, 2.8 MB)