Haupt Inhalt

Emanuel, Emilie und Eva Rosenthal

Wallstraße 22

HIER WOHNTE
EMANUEL ROSENTHAL
JG. 1901
FLUCHT 1939 / ENGLAND

HIER WOHNTE
EVA ROSENTHAL
JG. 1934
FLUCHT 1940 / ITALIEN
MIT HILFE ÜBERLEBT

HIER WOHNTE
EMILIE ROSENTHAL
GEB. ZETTLER
JG. 1899
FLUCHT 1940 / ITALIEN
MIT HILFE ÜBERLEBT

Auszug aus dem Baugesuch, Wallstraße 22 (Foto: Stadtarchiv Neu-Ulm)

Emilie Rosenthal wurde am 25. Dezember 1899 in Isny als Tochter von Albert und Friederike Zettler, beide Protestanten, geboren. Sie hatte zwei ältere Brüder: Albert (geb. 1890) und Karl (geb. 1891). 1911 zog die Familie nach Neu-Ulm, dem Geburtsort der Mutter. Emilie besuchte dort die Zentralschule.

Während des Ersten Weltkriegs wurde sie zur Säuglingsschwester ausgebildet. Von 1920 bis 1922 arbeitete Emilie in einem Mütterheim. Danach lebte sie vier Jahre in Mailand. Im November 1926 kehrte sie nach Neu-Ulm zurück und zog 1927 nach Berlin, wo sie am 8. Dezember 1931 Emanuel Rosenthal heiratete. Im März 1933 starb Emilies Mutter, woraufhin das Paar nach Neu-Ulm zum Vater zog. Dort wurde am 8. September 1934 ihre Tochter Eva geboren. Am 19. März 1940 floh Emilie mit Eva nach Mailand und wohnte dort an der Piazza Castello 25. Über den Zeitpunkt und Umstand von Emilies Tod ist nichts bekannt.

Emanuel Rosenthal wurde am 22. Januar 1901 in Frankfurt am Main als Sohn von Max und Eva Rosenthal geboren. Im selben Jahr zog die Familie nach Gleiwitz, dem Geburtsort des Vaters. Nach dem Tod der Mutter kehrte die Familie nach Frankfurt zurück. 1931 heiratete Emanuel Emilie Zettler in Berlin, von wo aus das Paar dann nach Neu-Ulm zu Emilies Vater zog. Emanuel arbeitete als Kantorist bei der Firma Nathan Strauss, Hüttenwerk A.G. in Ulm.
Am 26. Juli 1939 ist Emanuels Abmeldung von Neu-Ulm nach Richborough (England) in ein Durchgangslager für jüdische Auswanderer verzeichnet. 1940/41 folgte die Internierung durch die Engländer als Sicherheitsmaßnahme für Ausländer auf der Isle of Man – dies wurde von ihm als Haft empfunden, da es keine Bewegungsfreiheit gab. Von 1944 bis 1945 arbeitete Emanuel Rosenthal in einer Munitionsfabrik, danach bis 1947 als Buchhalter.

Im gleichen Jahr heiratete Emanuel seine zweite Frau Margit und lebte mit ihr bis zu seinem Tod 1955 in London.

Mit Einverständnis seiner Tochter Eva aus erster Ehe erhielt Margit Rosenthal stellvertretend für Emanuel eine Entschädigung für dessen Schaden an Freiheit sowie beruflichem und wirtschaftlichem Fortkommen.

Eva heiratete in Italien und emigrierte nach England.