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Johann Wiedemann aus Neu-Ulm blickt auf 100 bewegte Lebensjahre zurück

Neu-Ulms zweiter Bürgermeister Johannes Stingl gratulierte Johann Wiedemann zu seinem 100. Geburtstag.
2. Juni 2026 - Einen ganz besonderen Ehrentag konnte Johann Wiedemann am vergangenen Donnerstag, 28. Mai begehen: Der Neu-Ulmer feierte seinen 100. Geburtstag. Zu diesem Anlass gratulierte auch Neu-Ulms zweiter Bürgermeister Johannes Stingl persönlich und überbrachte dem Jubilar Geschenke sowie die herzlichsten Glückwünsche der Stadt Neu-Ulm.
Der Geistliche Bischöfliche Rat und ehemalige Studiendirektor blickt auf ein bewegtes Jahrhundert voller prägender Erfahrungen zurück. Johann Joseph Wiedemann wurde am 28. Mai 1926 in Augsburg geboren und wuchs gemeinsam mit vier Schwestern auf. Schon früh musste er einen schweren Schicksalsschlag verkraften: Seine Mutter verstarb, als er noch ein Kind war. Mit zehn Jahren kam er in das Knabenseminar nach Dillingen.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde Johann Wiedemann im Alter von 17 Jahren noch während seiner Gymnasialzeit zum Militärdienst eingezogen. Er war zunächst als Feldjäger in Jungholz und später als Funker an der Ostfront eingesetzt. Nachdem sein Elternhaus bei einem Bombenangriff zerstört worden war und eine seiner Schwestern verschüttet wurde, erhielt er 1944 für wenige Tage Heimaturlaub. Während dieser Zeit half er gemeinsam mit dem damaligen Domkaplan dabei, eine Brandbombe am Augsburger Dom zu löschen, bis die Feuerwehr eintraf.
Nach seiner Rückkehr an die Front geriet Johann Wiedemann in russische Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Entlassung konnte er seine Schullaufbahn fortsetzen und das Abitur am Gymnasium in Dillingen abschließen. Anschließend trat er in das Priesterseminar ein und studierte Philosophie sowie Theologie. Nach seiner Priesterweihe im Mai 1953 wirkte er zunächst als Kaplan in Manching und später in Kimratshofen.
Schon früh entdeckte er seine Leidenschaft für den Schuldienst. Zweimal wöchentlich fuhr er mit dem Fahrrad nach Kempten, um dort als Religionslehrer an der Berufsschule zu unterrichten. Im Jahr 1964 wechselte er vollständig in die Lehrerlaufbahn und lehrte mehr als zwei Jahrzehnte lang Religion an der städtischen Berufsschule in Neu-Ulm. Gleichzeitig blieb er der Seelsorge eng verbunden. So feierte er regelmäßig Gottesdienste in verschiedenen Gemeinden, darunter Echlishausen und Wiblingen, und engagierte sich auch während der Ferien in der pastoralen Arbeit.
1987 trat Johann Wiedemann als Studiendirektor in den Ruhestand. Sein Engagement für die Kirche setzte er jedoch fort und übernahm noch viele Jahre Urlaubsvertretungen für andere Priester – eine Aufgabe, der er bis ins hohe Alter von 97 Jahren nachging.
Im Laufe seines Lebens musste der Jubilar mehrere schwere Erkrankungen überstehen, zuletzt auch einen Schlaganfall. Dennoch bewahrte er sich stets seine positive Lebenseinstellung. Freunde und Wegbegleiter schätzen ihn als bescheidenen, gütigen Menschen, der für andere immer ein freundliches Wort und ein Lächeln bereithält.
Seit 1967 lebt Johann Wiedemann in seinem Eigenheim im Neu-Ulmer Stadtteil Ludwigsfeld. Dort fühlt er sich bis heute wohl und erhält regelmäßig Besuch von Freunden und Bekannten.
Seinen 100. Geburtstag feierte der Jubilar im Kreise seiner Freunde und Weggefährten zuhause in Ludwigsfeld.
